Zwischen Ängsten und Plänen (Corona)
Corona, Corona und nochmals Corona. In diesen Tagen fühlt man sich wie in einem Sciencefiction-Film, der bittere Realität geworden ist.
Niemals hätte ich es für möglich gehalten, je so eine Zeit zu erleben, die wir im Moment alle erleben.
Diese Situation hat uns erst überrascht, auch ein wenig genervt, etwas später förmlich gelähmt –
auch wir können das alles immer noch nicht so wirklich realisieren, sind zuweilen geschockt und ein wenig ratlos.

Wir haben lange überlegt, wie wir mit meinem Business weitergehen, wie wir uns Euch gegenüber verhalten sollen.
Posten ja-oder nein? Ist es geschmacklos oder hilft uns ein Lächeln und ein wenig Ablenkung?

Fotograf zu sein bedeutet mir wirklich unglaublich viel. Menschen in ihren schönsten Momenten verewigen und begleiten zu dürfen, ist das schönste Gefühl und der beste Beruf.
Mir ist völlig bewusst, dass Fotos ein wahres Luxusgut sind. Überlebenswichtig sind sie wahrlich nicht – im übrigen sind das aber auch keine 50 kg Nudeln und 30 Großpackungen Klopapier (das nur am Rande).
Ihr habt andere Sorgen, als einen Termin mit Eurem Fotografen zu vereinbaren, verständlich!
Ich werde hier nicht jammern, dass mein Umsatz auf Null eingebrochen ist und wir überhaupt nicht wissen, wie es weiter geht, ob Hochzeiten in diesem Jahr statt finden können. Damit fällt mein Hauptgeschäft – neben den Zwergerl-Newbornshootings – komplett weg. Meine Gedanken gelten hier den Brautpaaren, die Monate- evtl. jahrelang geplant haben und sich riesig auf ihren großen Tag freuen. Und es trifft ja auch all die Dienstleister, wie Hochzeitsbands, Caterer, Hotels, Restaurants, Hochzeitsplaner, Hochzeitsredner etc. Wir sitzen alle in einem Boot. Keiner hat sich diese Situation gewünscht oder „kann etwas“ dafür!

Verunsichert werden wir vor allem durch zwei Variablen, die -zumindest wir – nicht abschätzen können:
Erstens: wie lange dauert dieser Ausnahmezustand? Wie lange bleibt mein Umsatz NULL?
Wenn es ein, zwei Monate dauert, vielleicht auch drei, okay, das wäre zu meistern! Oder müssen wir damit rechnen, auch im Juni keine Hochzeiten oder Zwergerl oder Veranstaltungen fotografieren zu können?
Kommt gar im Herbst nochmal eine Welle?

Zweitens: wer bekommt wirklich von unserem Staat Hilfe und Unterstützung? Tolle Aktion von der Bundesregierung und Bayern, die uns unterstützen wollen.
Aktuell sieht es allerdings so auch, dass bei „vorhandener privater Liquidität“ keine Hilfe kommt. Wenn es so ist, wird es mich einmal mehr sehr enttäuschen, da der, der vorsorgt und gut wirtschaftet hier „bestraft“ wird.
So oft fühlte ich mich, als Selbständiger / „kleiner“ Unternehmer, vergessen, verlassen und von den Steuern ausgesaugt.

Was also tun? Den Kopf in den Sand stecken, Trübsal blasen und uns von unseren Ängsten und Sorgen beherrschen lassen?
Mit uns nicht! Nach dem ersten Schock sind wir nun bereit, uns auf das Leben „nach Corona“ vorzubereiten.
Denn so wird es sein: wir alle werden noch eine sehr lange Zeit nur von „vor Corona“ und „nach Corona“ sprechen.
So schwer es gerade jetzt fällt zu glauben: wir werden viele positive Dinge aus dieser Krise ziehen!

Familie:
Schon jetzt rücken die Menschen wieder ein wenig näher zusammen. Das Wort „Familie“ hat plötzlich wieder die Bedeutung, die es in unserer Kindheit (zugegeben schon etwas her) hatte.

Dankbarkeit:
Was uns stark auffällt und uns stärkt: das Wort DANKE wird sehr viel häufiger gesagt: ob für unsere Pflegekräfte, die viel zu lange und viel zu sehr im Schatten standen: sowohl finanziell als auch in unserer gesellschaftlichen Anerkennung. Supermarktkräfte, Polizei, Reinigungspersonal, Müllabfuhr und noch so viele mehr, die jetzt nicht daheim sitzen und sich schützen können – im Gegenteil, für UNS jetzt da sind und UNS helfen.
Auch von uns nochmal ein riesengroßes DANKESCHÖN!

Ehrlichkeit:
Es werden all die Menschen belohnt, die korrekt und ehrlich gewirtschaftet haben. Egal ob als Privatperson oder Unternehmer:
die, die gut gewirtschaftet und nicht völlig überzogen gelebt haben, die Kalkulation nicht auf das Maximum ausgereizt haben, werden diese Zeit überstehen. Auch wenn ich persönlich vielleicht keine staatliche Hilfe bekomme, am Ende weiss ich, dass es mich als selbständigen Fotografen noch geben wird. Vielen Kollegen, Unternehmern und auch Privatpersonen wird es leider nicht so gehen.
Der Markt – egal in welcher Branche – wird sich (aus)sortieren.
Ich drücke uns allen die Daumen, dass es nicht zu viele trifft!!!!

Veränderung:
Wir hatten die letzten Wochen sehr viele intensive Gespräche, dass uns das Tempo und der Ton der Gesellschaft Angst macht – schon „vor Corona“. Höher, schneller, weiter und mit Ellbogen durch – ohne Rücksicht auf Schwächere, Ältere. Regeln gelten immer nur für die anderen, nicht aber für „mich“. Denn „ich -ich-ich“ ist ein Lieblingswort vieler, zumindest ist das unsere Wahrnehmung.
Das belastet uns wirklich sehr. So sind wir nicht aufgewachsen, so wurden wir nicht erzogen und das wollen wir schlicht und einfach nicht.
Und nun? Plötzlich steht die Welt still. Und wir sind uns sicher: es wird sich viel tun in unserer Gesellschaft.
Schon jetzt lesen und erleben wir Solidarität, Zusammenhalt und eine Welle der Hilfsbereitschaft für die, die es am nötigsten brauchen!
Das erwärmt unser Herz und lässt auf eine schöne kommende -neue- Gesellschaft hoffen.

Ehrgeiz:
Kennt Ihr das, wenn man sich denkt „jetzt erst recht!“?!?
Wir arbeiten gerade unsere vielen Ideen und Gedanken aus – welche am Ende umsetzbar sind? Das wissen wir nicht!
Dennoch – und gerade deswegen –  ist JETZT genau der richtige Zeitpunkt, weiter zu gehen, sich weiter zu entwickeln.

Besinnung:
Was ist wirklich wichtig in meinem / unserem Leben?
Was möchten wir unbedingt machen? Welche Punkte stehen auf unserer persönlichen Bucket-List. Und was werden wir als erstes „nach Corona“ machen?
All diese Gedanken können wir gerade toll in Worte fassen und für uns formulieren.
Wann macht man das schon – also so wirklich?

Zeit:
Endlich wird das Büro ausgemistet, alte Unterlagen geschreddert, der Schrank neu sortiert – vielleicht werden auch mal die Fenster geputzt (dringend nötig 😉
Unsere Homepage ist schon ein wenig in die Jahre gekommen und überfüllt Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, das Thema anzugehen.
Lange schon überlege ich, wie ich meine Tutorials bzw. Video-Tipps ein wenig ausbaue, also noch ein toller Punkt, den ich angehen werde.

Um die nochmal auf die Eingangs gestellte Frage an uns selbst einzugehen: wie sollen wir uns verhalten: posten oder nicht?
Wir möchten Euch ein Lächeln auf die Lippen zaubern, wir möchten uns alle ein wenig ablenken und positive Gedanken – ganz „ohne Corona“ senden und daher: ja, wir sind wieder am Start und werden die nächsten Tage wieder posten, bloggen und vielleicht gibt es auch endlich das eine oder andere Video von uns und mit uns!

In den letzten Tagen waren wir abends / nachts noch ein wenig unterwegs, um tolle Nachtaufnahmen unserer wunderschönen Stadt Straubing zu machen. Es ist wirklich erstaunlich, welche Details und wieviele Kleinigkeiten und Neues man entdeckt, das einem vorher nie aufgefallen ist! In den nächsten Tagen mehr bekommt Ihr definitiv noch ein paar Bilder mehr zu sehen 🙂

In diesem Sinne: Aufgeben ist keine Option!
Wir wünschen uns „nach Corona“ eine schönere, buntere und entspanntere Welt.
Paßt auf Euch und Eure Lieben auf! Bleibt gesund!
Viele Grüße und alles Gute,
Anja und Harry von Fotostyle-Schindler

P.S. Wir freuen uns, wenn Ihr unseren Blog komplett gelesen habt!
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